Die Ansprache von Barack Obama an die Kubaner

„Heute kann ich verkünden, dass die USA sich formal bereit erklärt haben, die diplomatischen Beziehungen mit der Republik Kuba wieder aufzunehmen und die Botschaften in unseren Ländern wieder zu eröffnen“, gibt der der amerikanische Präsident preis.

Als Amelia Obamas Rede auf ihrem Laptop ansieht, ist Diese schon einen Tag alt. Denn Internet gibt es bislang in Kuba nur an Universitäten und an ausgesuchten Hotspots in den größeren Städten. Die Bandbreite ist gerade gut genug um Emails zu checken. An Bilder hochladen oder Videostreaming ist gar nicht zu denken. Doch Not macht erfinderisch. Beispielsweise kann man für rund drei Euro das „Paquete“, das Paket, beim IT Dienstleister seines Vertrauens kaufen. Das sind bis zu 800 Gigabyte an aktuellen Serien, neuersten Apps und sogar einen Kleinanzeiger gibt es. Alles was man dafür braucht, ist ein USB Stick oder eine USB Festplatte. Woher diese Daten genau kommen, weiß niemand so recht. Manche sagen, die Regierung stecke dahinter, andere meinen, es gibt in Havanna geheime Satellitenschüsseln mit einer enormen Bandbreite, die das „Paquete“ herunterladen.

So ungefähr muss Obamas Ansprache auf den USB Stick von Amelias Mann gekommen sein. Und die sehen wir uns gerade an.

Der Laptop hat keine guten Lautsprecher, deswegen beugt sich Amelia etwas über den Tisch, um den Ton besser zu verstehen. Sie möchte sofort wissen, was von den USA zu erwarten sei. Ich stehe seitlich dahinter und kann direkt auf den Bildschirm sehen. Immer wieder schweift der Blick von Obama in die Richtung von Amelia, als würde er sie direkt ansprechen. „Obama spricht direkt zu den Kubanern“. Eine interessante Bildidee.

Ich muss es nun schaffen, Amelia und den Laptopbildschirm einigermaßen richtig zu belichten, genau dann, wenn Obama zu ihr hinsieht. Ich gehe davon aus, dass sich diese Bildkomposition nochmal genauso wiederholt: Obama blickt zu Amelia und Amelia bleibt so auf dem Tisch abgestützt, wie sie gerade ist.

Für einen Objektivwechsel ist gerade keine Zeit mehr und ich arbeite mit dem angesetzten 24-120mm. Die Brennweite stelle ich so ein, dass Amelia und der Laptop gut drauf sind, die ISO auf 1600 und die Blende auf 5,6. Die Belichtungszeit lasse ich der Zeitautomatik über. So habe ich eine ausreichende Schärfentiefe und die Belichtungszeit wird hoffentlich lange genug sein um nicht zu verwackeln. Den Fokus lege ich auf den Bildschirm und warte.

Doch dann kommts! Obama spricht, dreht sich zu Amelia und schiebt seine Oberlippe so nach vor, als wollte er sagen: „So ist es!“. Ich drücke den Auslöser durch. Die Belichtungszeit von 1/30 Sekunde ist zwar nicht optimal, aber der Bildstabilisatior hat gut gegriffen. Es ist scharf und ich bin glücklich.

Nach der Obamas Ansprache sagt Amelias Mann zu mir:  „Obama spricht mit gespaltener Zunge! Wir wollen eigentlich die volle Wirtschaftliche Freiheit. Kein Embargo mehr!“ Inzwischen wurden Botschaften eröffnet, eine Fähr- und eine Flugverbindung aufgesetzt. Hier passiert Großes, wenn nicht Einzigartiges in der Geschichte der Welt. Ich bin gespannt!

Hier ein Artikel im New Yorker zu dem Thema: http://www.newyorker.com/magazine/2016/10/03/a-new-cuba